Während der Corona-Pandemie, in der es uns leider nicht möglich war, Veranstaltungen durchzuführen, haben wir verschiedene kulturelle Projekte ins Leben gerufen, darunter auch „Spiegel der Zeit“.
Dieses Erinnerungsprojekt widmet sich der Vergangenheit unserer Stadt und Region. Ausgangspunkt sind alte Fotografien von Orten, die wir in Braunschweig und Umgebung wieder aufspüren und (wenn möglich) im gleichen Blickwinkel nachstellen. So entsteht ein direkter Vergleich von damals und heute, ein Spiegel der Zeit, der Geschichte sichtbar macht.
Begonnen haben wir mit Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Unser Ziel ist es, das Grauen dieser Epoche ins Gedächtnis zu rufen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Folgen Ideologien von Hass und Extremismus haben. Gerade heute, wo extremistische Gedanken wieder Anklang finden, halten wir es für wichtig, diese Erinnerung wachzuhalten.
Die Bilder führen uns an Orte von Bücherverbrennungen, Zwangsarbeit und Folter – Schauplätze, an denen einst Unrecht zum Teil des Alltags wurde, während viele Menschen schweigend zusahen. Damit sich solches Unheil nicht wiederholt, müssen wir uns immer wieder vergegenwärtigen, wie es dazu kommen konnte und was damals geschah.
„Spiegel der Zeit“ ist unser kleiner Beitrag, diese Erinnerung lebendig zu halten und Geschichte sichtbar zu machen.
Synagoge

Die Synagoge in der Alten Knochenhauerstraße wurde 1873–1875 nach Plänen des Architekten Constantin Uhde erbaut und am 23. September 1875 eingeweiht.
Sie war ein repräsentativer Bau mit romanischen und maurischen Stilelementen und galt als Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Braunschweig. In der Zeit des Nationalsozialismus änderte sich die Situation dramatisch: In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge geplündert, ihr Inventar zerstört und das Gebäude teilweise gesprengt. 1940 riss man die Reste vollständig ab und errichtete an ihrer Stelle einen Luftschutzbunker. Heute erinnert eine Gedenktafel an die zerstörte Synagoge und an das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Braunschweig.
Bücherverbrennung

Das Foto zeigt eine Szene der Bücherverbrennung auf dem Ackerhof im Braunschweiger Magniviertel am 9. März 1933.
Nur wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden hier öffentlich Werke jüdischer, marxistischer und anderer als „undeutsch“ diffamierter Autorinnen und Autoren ins Feuer geworfen. Die Aktion war Teil einer systematischen Kampagne zur Ausschaltung kritischer Stimmen und zur Errichtung einer gleichgeschalteten Kultur. Dieser frühe Akt der Zerstörung geistigen Lebens in Braunschweig steht symbolisch für den Beginn der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Unterdrückungspolitik.
Zerstörtes Schloss

Das Foto zeigt das Braunschweiger Residenzschloss nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg.
Bei Luftangriffen im Oktober 1944 wurde das Gebäude, einst Sitz der Welfenherzöge und ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt, stark beschädigt und brannte weitgehend aus. Nach dem Krieg blieb die Ruine zunächst bestehen, wurde aber 1960 endgültig abgerissen. Erst Jahrzehnte später entstand an gleicher Stelle der Wiederaufbau der Schlossfassade, die seit 2007 Teil des Schloss-Arkaden-Komplexes ist. Das Reiterstandbild von Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, das den Krieg überstand, steht bis heute als historisches Zeugnis vor dem Schloss.
Bodenstedt

Am 11. April 1945 marschierten Einheiten der 120. US-Infanterie-Brigade durch Bodenstedt im Landkreis Braunschweig.
Die Aufnahme zeigt amerikanische Soldaten beim Einzug in das Dorf kurz vor Kriegsende. Mit ihrem Vorrücken endete auch in dieser Region die nationalsozialistische Herrschaft, und die Kapitulation rückte in greifbare Nähe. Heute erinnert der historische Vergleich an den Übergang von Krieg und Besatzung zur beginnenden Nachkriegszeit.
